Edi Glieder: "Die Austria hat mit der Neugründung das Richtige getan!"
Edi Glieder, letzter violetter Torschützenkönig in der Bundesliga, stand im "Violette Teufel"-Interview allen Fragen Rede und Antwort.
VT97: Wie und wo begann deine Karriere als Fußballer?
Edi: Ich begann meine Karriere bei St. Margarethen an der Raab, da hat damals auch mein Vater gespielt. Die Sportanlage wurde umgebaut und auf Edi-Glieder-Stadion getauft.
VT97: Dein Jugendverein SC St. Margarethen an der Raab benannte Dir zu Ehren im Jahre 2000 seine Spielstätte in Edi-Glieder-Stadion um. Eine Riesen-Anerkennung. Was ist das für ein Gefühl?
Edi: Der Kontakt zu meinem Heimatverein ist nie abgerissen und in der ländlichen Gemeinde ist man natürlich stolz das ihr "Edi" es geschafft hat und sich in Österreich einen Namen gemacht hat und so hatten sie die Idee es „Edi-Glieder-Stadion“ zu nennen. Ich bin natürlich sehr stolz darauf, weil die Gemeinde da richtig viel Geld in die Hand genommen hat, um ein richtiges Schmuckkästchen zu errichten.
VT97: Wie beurteilst Du deine Karriere?
Edi: Meine Karriere wurde durchwegs von Erfolg begleitet. Mit dem nötigen Glück und viel Fleiß kann man viel erreichen.
VT97: Was war dein Karriere Höhepunkt?
Edi: Der Wechsel mit fast 35 Jahren zum FC Schalke.
VT97: Du hast in Deutschland bei Schalke 04 die Schuhe geschnürt.
Welche Unterschiede gibt es zwischen Österreich und Deutschland?
Edi: Es gibt sicher viele Unterschiede, aber der größte ist sicher dass die wirtschaftlichen Möglichkeiten in Deutschland andere sind. Die haben das 10-fache Budget wie wir hier in Österreich.
VT97: Du warst in Gelsenkirchen eine Kultfigur, bei den Fans sehr beliebt, warum glaubst Du war das so?
Edi: Weil ich am Platz sprichwörtlich mein Herz in die Hand genommen und mir auf gut Deutsch gesagt den Arsch aufgerissen habe. Das haben die Fans bemerkt und honoriert, indem sie mich wenn ich am Platz war angefeuert und wenn ich auf der Bank war mich gefordert haben.
VT97: Was hast Du damals gefühlt als der Wechsel zu Schalke 04 unter Dach und Fach war?
Edi: Ich war einfach nur glücklich und dachte dabei, dass jetzt ist auch mein letztes Ziel, dass ich als aktiver Fußballer erreicht habe, nämlich Meister, Torschützenkönig, Nationalmannschaft und eben der Auslandstransfer.
VT97: Du bist 5x österreichischer Meister geworden. Kannst Du sagen,
welcher der schönste Titel für dich war?
Edi: Der Titel mit Austria Salzburg 1997 als wir als krasser Außenseiter in die Meisterschaft gegangen sind. Wir sind im Laufe des Jahres zusammengewachsen und haben richtig Gas gegeben.
VT97: Es sind nun bereits 10 Jahre vergangen als Du das letzte Mal
das Trikot der Salzburger Austria übergestreift hast. Wie ist es Dir
seither ergangen und wo waren deine weiteren Stationen?
Edi: Wie schon gesagt hatte ich über weite Strecken meiner Karriere Erfolg und konnte mich nicht beklagen. Nach Salzburg ging ich nach Tirol und anschließend nach Pasching. Ich denke an alle Stationen positiv zurück und so wird mir auch das Stadion Lehen immer in Erinnerung bleiben und einen Platz in meinem Herzen einnehmen zumal ich damals in „meinem“ Heimstadion Torschützenkönig wurde.
VT97: Du warst 1999 der letzte Torschützenkönig des SV Austria Salzburg in der Bundesliga. Weißt Du wie viele Tore Du in deiner Karriere erzielt hast?
Edi: Ich hab da als kleiner Junge immer Buch geführt und mir meine Tore genau aufgeschrieben. Ich habe bis zu meinem 16 Lebensjahr in den Nachwuchsmannschaften und zum Schluss auch in der Kampfmannschaft von St. Margarethen 240 Tore erzielt. In der 2.Bundesliga ca. 70 Tore und in der 1.Bundesliga ca. 110 Tore erzielt. International habe ich ca. 30 Tore erzielt. 4 Tore konnte ich für die Nationalmannschaft erzielen.
VT97: Welche Erinnerungen hast Du an deine Zeit bei Austria Salzburg?
Edi: Wie schon gesagt wird mir das Stadion Lehen ewig in Erinnerung bleiben. Beeindruckend war für mich auch als ich vom GAK an die Salzach gewechselt bin, vor allem die Heimspiele. Mit welcher Hingabe die Fans bei der Sache waren. Ich hab später dann sogar eine Ehrenmitgliedschaft auf Lebenszeit der violetten Teufel bekommen. Damals war eine so große Euphorie, dass ich dachte es gibt nichts schöneres für mich als in Salzburg zu spielen.
VT97: Was war dein schönster Moment im violetten Dress?
Edi: Als ich den Pokal zum Torschützenkönig im Stadion Lehen überreicht bekommen habe. Das Stadion war voll und ich durfte von den Zuschauern Standing Ovations entgegennehmen. Das habe ich voll genossen und ich war 1 Minute ganz weg vor lauter Begeisterung. Dabei war das kurz vor dem ersten Meisterschaftsspiel der neuen Saison.
VT97: Hast Du noch Kontakte zu ehemaligen Mitspielern aus deiner Zeit bei der Austria? Wenn ja, mit wem?
Edi: Ja, ich habe noch mit vielen Spielern von damals Kontakt, u.a. mit Adi Hütter, Franz Aigner, ChristianFürstaller, Hermann Stadler und Leo Lainer.
VT97: Hast Du die Übernahme des SV Austria Salzburg durch Red Bull und die darauffolgende Neugründung der Austria verfolgt? Wenn ja, was sagst Du dazu?
Edi: Natürlich habe ich wie alle anderen Ex-Austria Spieler mit Wehmut verfolgt, wie die alten Pokale und Medaillen auf den Müll gelandet sind, man die erfolgreiche Vergangenheit bei Seite geschoben hat. In einem langen Profi Leben lernst du aber mit allem umzugehen und je älter du wirst desto mehr härten dich solche Sachen ab. Darum habe ich bei allem was mir in meiner Karriere an Unprofessionalität untergekommen ist, die Ruhe bewahrt und versucht immer die Kontrolle zu behalten, weil das glaube ich im Leben wichtig ist nicht nur emotionell sondern auch mit Vernunft zu denken, aber was noch wichtiger ist auch so zu HANDELN.
VT97: Die Salzburger Austria ist seit ihrer Neugründung bislang jedes Jahr aufgestiegen. Denkst Du, dass sich der Verein in einer höheren Liga etablieren kann?
Edi: Ich freue mich von ganzem Herzen, dass die Austria mit der Neugründung das Richtige getan hat. Ihr steht jetzt in der Landesliga und macht euch berechtigte Hoffnungen auch in dieser Liga um den Titel mitspielen zu können. Ich denke mit euren treuen Fans werden auch wieder potentielle Sponsoren kommen, weil der Wirtschaftsfaktor Austria Salzburg dank Euch wieder vorhanden ist. Ja, es ist möglich weiter nach oben zu kommen!
VT97: Welchen Rat kannst Du, als erfahrener Spieler, dem SV Austria Salzburg „auf dem Weg zurück“, geben?
Edi: Mir hat in meiner Karriere immer geholfen, dass ich das Gesetz der Kausalität (Ursache-Wirkung) zu Hilfe genommen habe. Das Gesetz geht davon aus, dass für alles was ich tue, es ein Ergebnis gibt. Eie man im Leben so schön sagt "irgendwann kommt alles zurück". Das hat für mich geheißen, ich muss mir vorher Gedanken machen wie meine Karriere aussehen soll und das ganze soweit möglich "PLANEN". Keine Angst ich werd euch jetzt nicht „Volllabern“ mit meiner Psychologie. Aber einen Punkt werde ich euch kurz erläutern. "Disziplin" war in meiner Karriereplanung ein wichtiger Punkt. Disziplin kann ich nur haben wenn ich sie innerhalb und außerhalb des Platzes Vorlebe. Darum habe ich mir die Beziehung Schiedsrichter-Spieler genauer angesehen und habe herausgefunden, ein Schiedsrichter tut dir maximal was mit Absicht wennst ihn ständig traktierst und "undiszipliniert" bist. Darum klopf ich ihm lieber mal auf die Schulter, auch mit dem Wissen dass er gerade meiner Meinung nach einen Fehler gemacht hat. Aber erstens ist meine Meinung nur Subjektiv und zweitens mach ich genauso Fehler. Mit dieser Inneren Einstellung ist es mir gelungen ohne Sperren durch meine Karriere zu kommen.
VT97: Du bist Gerüchten zu folge in dieser Transferperiode mit Austria Salzburg wegen einem Wechsel zurück nach Salzburg in Verbindung gestanden. Ist das richtig? Wenn ja, woran ist eine Rückkehr gescheitert?
Edi: Ja ich hab mit Gerhard Stöger und Gernot Blaikner über einen möglichen Wechsel gesprochen und es wäre für mich auch sehr interessant gewesen, weil ich jeden Tag von Seekirchen nach Linz fahre. Aber ich habe Pasching schon zugesagt weiter zu machen und zu meinem Wort stehe ich auch.
VT97: Sieht man Edi Glieder noch einmal im violetten Trikot?
Edi: Möglich ist alles.
VT97: Was war der Grund warum Du deine Laufbahn als Trainer abgebrochen hast und nochmals die Fußballschuhe angezogen hast?
Edi: Ich hatte eigentlich großen Spaß als Trainer bei Grödig zu arbeiten. Die Mannschaft war bis zum Schluss 100 prozentig bei der Sache, sonst hätte sie auch nicht den Landesmeistertitel und in der darauffolgenden Meisterschaft den ordentlichen 6 Platz belegt. Aber wie alle wissen arbeitest du in Grödig mit sehr schlauen Menschen zusammen. Diese sind zwar als Spieler nicht über einen Ersatztormann der zweiten Landesliga hinausgekommen, glauben aber den Fussball neu erfunden zu haben. Und so war es sehr schwierig ohne jegliche Rückendeckung im ersten Trainerjahr zu arbeiten. Trotzdem sehe ich das ganze sehr positiv, weil wenn du unter solchen Bedingungen deine Arbeit trotzdem fertig machst, dann beweist es mir, dass ich es kann.
VT97: Du spielst nun bei der SPG Pasching/Wallern, mit der Du den Aufstieg in die Regionalliga Mitte geschafft hast, wie lange wird man Dich noch aktiv bewundern können?
Edi: Das mache ich davon abhängig wie lange ich der Mannschaft noch helfen kann. Ich hab einfach Spaß am Fußball und Trainer kann ich später auch noch sein.
VT97: Wie beurteilst Du die Diskussion um die Abschaffung der Regionalligen? Was ist deine Meinung zu diesem Thema?
Edi: Die Regionalliga ist für die Vereine nicht wirklich attraktiv und ich denke da gehört sicher etwas geändert. Ob man sie gleich abschaffen soll, müssen andere entscheiden.
VT97: Was wirst Du nach deiner Karriere machen? Bleibst Du dem Fußball in irgendeiner Form erhalten?
Edi: Wie gesagt habe ich die A-Lizenz und werd vielleicht nach meiner Karriere mal wieder auf die andere Seite der Linie zurückkehren. Ich hab auch noch ein Wettbüro in der Schallmooser Hauptstraße 10 A eröffnet, das täglich ab 14 Uhr geöffnet hat. Da wird dann abends immer Poker gespielt. Also wer mal vorbeikommen will - ihr seid herzlich eingeladen.
VT97: Du hast auch schon als Trainer gearbeitet, wird es auch in
Zukunft den Trainer Edi Glieder geben?
Edi: Ich werd sicher irgendwann mal wieder als Trainer arbeiten.
VT97: Was sind deine sportlichen Ziele für die Zukunft?
Edi: Ich will in jedem Spiel, indem ich auf dem Platz stehe mein bestes Geben und gewinnen.
VT97: Welche Schlagzeile würdest Du gerne über dich lesen?
Edi: Ich war nie so fixiert auf Schlagzeilen. Mir war immer der Erfolg der Mannschaft und dann mein eigener Erfolg wichtig.
Edi Glieder im Wordrap:
Familie:
Meine Familie steht an erster Stelle
Austria Salzburg:
Dort sollte man als Spieler unbedingt mal gespielt haben
SV Pasching:
Nach dem Konkurs vom FC Tirol eine gute Wahl. Ein sehr straff geführter Klub wo man mir grossen Respekt entgegen bringt.
Torschützenkönig:
Mein grösster persönlicher sportlicher Erfolg. Das ist auch die einzige Trophäe, neben dem Bruno für den Spieler des Jahres, die in meinem Wohnzimmer steht.
Violette Teufel:
Ein Fanclub den ich sehr positiv in Erinnerung habe. Ich war damals
ganz erstaunt als man mir die Urkunde mit der Ehrenmitgliedschaft auf Lebenszeit überreicht hat. Danke nochmal im nachhinein!
VT97: Danke für das Gespräch!
Edi: Danke!
Das Interview führe Michael Niederer
Foto: Violette Teufel Archiv - fotografiert von Marlen Prutsch beim Hallenturnier in Graz am 21.12.1997
